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Coaching

Coaching - Vom Einstieg zum Kontakt mit sich selbst

28.08.2019

Wer mit dem Gedanken spielt, einen Coach aufzusuchen oder diesen zu sich zu bitten, hat festgestellt, dass er oder sie bei manchen Lebensfragen Hilfestellung oder zumindest einen anderen Blick darauf benötigt. Viele kommen mit beruflichen Anliegen, z. B. Entscheidungen, die anstehen, aber auch private Kümmernisse und Sorgen eignen sich hervorragend als Einstieg in den Coachingprozess.

Aus professioneller Sicht sollte man bei Interesse immer drei unterschiedliche Coaches zu einem ersten Gespräch treffen, um erst dann zu entscheiden, mit wem man zusammenarbeiten möchte.

Die Entscheidung trifft dann Ihr Unterbewusstsein, Ihr „Bauch“ ‑ und das ist auch gut so.

Denn selbst der noch so beliebteste Vertreter seiner Zunft kann eine falsche Wahl sein, wenn man sich nicht ab dem ersten Moment wohl und sicher mit ihm fühlt. Dieses Wohlgefühl und Vertrauen, das man von Anfang an spüren sollte, muss das ausschlaggebende Argument für die Entscheidung sein, alles andere zählt nicht.

Wenn die Entscheidung dann gefallen ist, das Gespräch beginnt, dann ist es meistens zunächst die größte Angst des Coachees, nicht zu wissen, wie er anfangen soll. Bei dem Riesenwust an Gedanken, bei dem Gefühls-Wirrwarr ist das auch kein Wunder. Ich lächle dann nur, schaue den Menschen, der mir da gegenübersitzt, an und warte ein wenig.

Nach der ersten Stunde gibt es dann oft große Verwunderung darüber, dass es so kinderleicht war anzufangen, einfach loszureden.

Der Coach ist idealerweise wie eine Leinwand, auf die der Klient einfach alles projizieren kann, jede Irritation und jedes Fehlverhalten, alles. Denn es gibt nur eine Wahrheit, und zwar die des Klienten. Und es gibt keine Urteile, keine Bewertungen, keine Scham und keine Schuld. Alles darf gesagt werden, alles darf in dem Moment sein und alles ist gut. Wenn diese Übereinstimmung herrscht, dann kann das Coaching gelingen.

Wenn die erste Kennenlern-Stunde vorbei ist, entsteht im Kopf des Coaches (jedenfalls in meinem) eine Art Ansammlung von Puzzlestücken, die sehr ungeordnet herumschwirren und noch nicht viel Aufschluss geben. Idealerweise kann ich aber schon ein grobes Ziel ausmachen, an dem gearbeitet werden soll. Dieses vereinbare ich dann mit dem Klienten beim Start in die Zusammenarbeit. Wir einigen uns auch auf die ungefähre Stundenanzahl und verabreden Regeln wie Regelmäßigkeit, mögliche Absagen, Umgang miteinander usw.

In den ersten Stunden konfrontiere ich meine Coachees gerne mit einem speziellen Fragebogen, der ein wenig provoziert.

Dieser enthält beispielsweise folgende Fragen:

  • Welche Tätigkeit beherrschen Sie neben Ihrem Beruf so gut, dass man Sie dafür bezahlen würde?
  • Womit beschäftigen Sie sich Ihrer Meinung nach zu viel? Womit zu wenig?
  • Was haben Sie in Bezug auf Männer von Ihrem Vater gelernt?
  • Was haben Sie in Bezug auf Frauen von Ihrer Mutter gelernt?
  • Was spricht gegen Selbstmord?
  • Was ändert sich, wenn Sie sterben?
  • Was stirbt, wenn Sie sich ändern?

Diese Fragen kann ich nicht jedem stellen, hier wäge ich ganz genau ab. Es kommt darauf an, wie robust mir der Mensch erscheint, der gerade bei mir ist. Die Reaktionen darauf und die Antworten bringen jedoch oft viel in Bewegung – im Klienten und in mir. Und dann beginnt der eigentliche Prozess – der Klient reagiert und bei mir kommt etwas an. Ich bin der Resonanzboden und horche auf bei Aussagen, die auf innere Konflikte hinweisen.

Immer wieder wird aus dem anfänglich vereinbarten Ziel schließlich ein ganz anderes. Oft sind die anfänglich vorgetragenen Anliegen nämlich nur Symptome von etwas, was schon viel länger im Coachee rumort und Spannungen erzeugt. Und, was soll ich sagen, meistens hat alles mit einer unzulänglichen Erfahrung dieses Menschen in der Kindheit zu tun. Wer als Kind eben nicht feinfühlig und liebevoll gespiegelt wird, trägt sehr häufig ein Defizit mit sich herum, das ihn immer wieder an Grenzen bringt: im Job, in der Partnerschaft, im Zusammensein mit anderen …

Einige Klienten haben ein diffuses Wissen über psychologische Zusammenhänge und fordern schon vorbeugend: „ Also über meine Kindheit möchte ich aber nicht sprechen.“ Das ist zunächst einmal ein verständlicher Wunsch – ist ja meist auch schon lange her –, aber in den meisten Fällen ist er nicht zu erfüllen. Die inneren Konflikte entstehen nun einmal dann, wenn der Mensch nicht bewusst wahrnimmt und wenn er beginnt, sich ein Bild von sich und der Welt zu machen. Und das ist leider in der Kindheit, das hilft nichts. Auf jeden Fall ist die ernüchternde Wahrheit bei vielen Menschen, dass zwar die materielle und medizinische Versorgung im Kindesalter teilweise übererfüllt wurde, nicht aber die seelische Ausstattung.

Diese seelische Ausstattung blieb durch eine unzureichende Spiegelung und Bestätigung des Kindes in den ersten Lebensjahren ungenügend. Elterliche Sätze wie „Du nervst“, „das kannst du doch nicht“ oder „du stellst dich ja schusselig an“ sorgen beim Kind dafür, dass es nicht sein Verhalten, sondern seine ganze Person in Frage stellt. Es erlebt sich dann selbst als defizitär, als ‚nicht gut genug‘ und trägt damit eine unbewusste latente Verunsicherung mit sich herum.

Diese seelische Ausstattung blieb durch eine unzureichende Spiegelung und Bestätigung des Kindes in den ersten Lebensjahren ungenügend. Elterliche Sätze wie „Du nervst“, „das kannst du doch nicht“ oder „du stellst dich ja schusselig an“ sorgen beim Kind dafür, dass es nicht sein Verhalten, sondern seine ganze Person in Frage stellt. Es erlebt sich dann selbst als defizitär, als ‚nicht gut genug‘ und trägt damit eine unbewusste latente Verunsicherung mit sich herum.

Besondere Anstrengungen, Opferbereitschaft und Selbstaufgabe sind die extremen Folgen auf der einen Seite, Distanz, leichte Kränkbarkeit und Aggression auf der anderen. Je nach persönlicher Ausstattung und Erfahrung des jeweiligen Menschen.

Im Erwachsenenalter nun, wenn Ausbildungs- und Berufskarrieren in trockenen Tüchern, Familiengründung und Hausbau gelungen sind, dann meldet sich dieses unsichere Unbewusste ganz laut, dann funktioniert die Ablenkung des Alltags nicht mehr ganz so gut. Dann kommen Klienten zu mir, weil sie merken, dass etwas nicht in Ordnung ist:

Innendrin ist Spannung, Unruhe, Düsternis und tiefe Erschöpfung wegen großer Lebensanstrengungen. Und eine bittere Erkenntnis wird stärker und stärker: Keine äußere Leistung kann diesen inneren Zustand lindern.

Das Ziel einer Coaching-Zusammenarbeit ist es, innere Konflikte zu erkennen, anzuschauen, deren Entstehung nachzufühlen und dann – irgendwann – seinen Frieden damit zu machen.

Sehr viele Menschen bleiben in Rollen verhaftet, die sie sich angeeignet haben, weil sie ihr unsicheres Selbst geschützt haben. In diesen Rollen haben sie am meisten Anerkennung und am wenigsten Kritik eingefahren. Über diese Rollen haben sich viele Menschen allerdings selbst verloren – oder gar nicht erst gefunden. Vor Kurzem hatte ich eine Klientin, mit der ich mich auf die Reise zu ihr selbst begeben habe.

Wir haben ihren Lebens-Rollen Namen gegeben: Einer davon war „Eva“. Eva ist die Liebe und Brave, die es besonders der Mutter immer recht machen will. Eva, die nicht widerspricht, sich dezent und langweilig kleidet und leise redet, wie ein kleines Mädchen.

Dann gibt es u. a. noch ganz versteckt, aber wahrnehmbar, eine „Lucie“, die mutig ist, sich etwas traut und ganz anders ist. Lucie hat sich ganz nebenbei gezeigt, als die Klientin von ihrer Vorliebe für schnelles Autofahren erzählte. Mit 160 km/h saust sie für gewöhnlich mit ihrem BMW über deutsche Autobahnen.

Beiläufig fragte ich sie danach, wie sie denn gekleidet sei und ihr Haar trage bei der Autofahrt. Da kam eine ganz andere Frau zum Vorschein, eben nicht Eva, sondern Lucie: enge Jeans, T-Shirt, Boots.

Wir haben dann auch die Mutter (gedanklich) in den Coachingraum geholt und auf typische Aussagen von ihr hat – von zwei verschiedenen Stühlen aus – sowohl Eva als auch Lucie geantwortet. Das war sehr aufschlussreich.

Das grundsätzliche Ziel der Entwicklung ist aber nicht, eine Eva aus dem Leben zu verbannen, sondern die Lucie mit zu integrieren.

Wenn ich selbst einen Vortrag halte, dann bin ich aufgeregt. Einer meiner Anteile ist dann ängstlich und möchte am liebsten kneifen. Diesem Anteil von mir habe ich einen Namen und ein Gesicht gegeben. Bevor ich also zu reden anfange, begrüße ich diesen Anteil im Vortragsraum, nicke ihm erst einmal zu. Dann kann mir nichts mehr passieren, ich habe die Kontrolle übernommen. Wichtig ist die Akzeptanz von allem, was in uns ist, und die Versöhnung mit eigenen, unpopulären Verhaltensweisen. Sie haben ihren Sinn. Das ist das Ziel von Coaching, so kann es gut gelingen.

Autorin: Anke von Skerst


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